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  Matt Costa :: Unfamiliar Faces :: VÖ: 18.01.2008
Music - News Matt Costa :: Unfamiliar Faces :: VÖ: 18.01.2008
01.02.2008 von Musikmann



Matt Costa :: Unfamiliar Faces :: VÖ: 18.01.2008

Als sich Matt Costa auf die Suche nach neuen Melodien machte, aus denen er schließlich „Unfamiliar Faces“ stricken wollte, den Nachfolger zu seinem Albumdebüt „Songs We Sing“ (2005), kramte der Singer/Songwriter zunächst seine persönlichen Schätze und heiligsten Besitztümer hervor und breitete sie vor sich aus, um sie ausgiebig betrachten und seinen Erinnerungen freien Lauf lassen zu können. „Auf diese Weise konnte ich auf einen Blick erkennen, was mir wirklich am Herzen liegt, was mich beeinflusst und mir etwas bedeutet“, berichtet Costa. Zu den versammelten Heiligtümern zählten u.a. seine Lieblingsbücher, eine überdimensionale Holzpfeife oder auch eine Kiste mit staubigen Vinylsingles aus den späten Fünfzigern. „Und dann habe ich meine Imagination einfach driften lassen. Das wirkliche Leben ist bei Weitem nicht so spannend wie die Welten, die man mit seiner Vorstellungskraft kreieren kann.“

Doch selbst wenn imaginäre Welten einen enormen Stellenwert für Matt Costa haben, steht zugleich fest, dass sein wirkliches Leben stets alles andere als langweilig oder eintönig war. Neben einem Kleintierfriedhof im sonnigen Huntington Beach, Kalifornien, aufgewachsen, spielte er schon frühzeitig Trompete und Klavier, gab sein erstes Spontankonzert auf einem schaukelnden Hausboot, und verbrachte einen Großteil seiner Zeit mit seinem Skateboard – Zeit wohlgemerkt, die er folglich nicht seinen Schulbüchern widmen konnte. Die Freiheiten des Skatens, der kreative und stets improvisierte Umgang mit der urbanen Asphaltlandschaft, waren einfach zu anziehend; dazu kam die Musik, auf die er durch die Skateszene aufmerksam wurde: „Ich habe etliche Bands und Musiker durch Skateboarding entdeckt. Viele B-Seiten, die sonst niemand kannte, und die mich dazu brachten, mehr von dem jeweiligen Künstler zu suchen.“

Ein paar Jahre später war es ein kompliziert gebrochenes Bein, das ihn davon abhielt, Profi-Skateboarder zu werden – und das ihn zugleich dazu brachte, sich stattdessen auf seine Talente als Sänger und Songwriter zu konzentrieren. Was als gute Ablenkung begann, wurde zu einer ausgewachsenen Leidenschaft, und so dauerte es nicht lange, bis Matt die ersten eigenen Songs geschrieben hatte. Als er dann Tom Dumont, seines Zeichens Gitarrist von No Doubt, in der dynamischen Musikszene Kaliforniens kennen lernte, machte er sich schließlich daran, sein Debütalbum „Songs We Sing“ aufzunehmen, wobei Dumont als sein Mentor und Produzent in Aktion trat. „Einer der ersten Ratschläge, die er mir gab, war folgender: `Hör auf, so hart zu üben, und kümmere dich stattdessen darum, dass du genügend Raum für das eigentliche Gefühl lässt!´“, erinnert sich Costa. „Diesen Ratschlag werde ich wohl nie vergessen, denn nur so kann man wirklich große Songs schreiben. Tom hatte bei mir damit einen Schalter umgelegt.“

Mit seinen „Songs We Sing“, einer durchweg eindrucksvollen Serie von Folk-Ohrwürmern, bei denen sein einfühlsamer Ansatz und sein gekonnter Umgang mit der Gitarre bereits absolut deutlich wurden, avancierte Costa zunächst zum Insider-Tipp in L.A., tourte dann durch die restlichen Staaten und spielte alle wichtigen Festivals: u.a. Coachella, Lollapalooza, Sasquatch, Bonnaroo und Austin City Limits. Von Live-Kollaborationen mit den Rockern von The 88 (ebenfalls aus L.A.) und Elvis Perkins inspiriert, kehrte er schließlich nach Kalifornien zurück, um in Sacramento an „Unfamiliar Faces“ zu arbeiten, wo dann auch ein Großteil der neuen Songs entstand. Im Frühjahr 2007 zog er nach Santa Ana weiter, um das Album wiederum mit Dumont aufzunehmen, wobei er nunmehr auch den Keyboarder Adam Merrin von The 88 für einige Songs ins Studio holte. Insgesamt handelt es sich bei „Unfamiliar Faces“ um Costas zweites Album für Brushfire Records, dem Label, das u.a. von Jack Johnson gegründet wurde. Johnson ist seit geraumer Zeit Fan von Matt Costa; die beiden waren mehrfach gemeinsam auf Tour und haben an etlichen Soundtrack-Projekten zusammengearbeitet.

Ob es sich nun um den vom Klavier dominierten und absolut draufgängerisch klingenden Eröffnungssong „Mr. Pitiful“ oder aber um die mit Country-Beigeschmack versehene Akustiknummer „Never Looking Back“ handelt, um das vielschichtige „Bound“ oder den polternd-druckvollen Pop-Sound von „Emergency Call“: durchweg gelingt es Costa, seine ansteckenden Melodien auf „Unfamiliar Faces“ zu eindrucksvollen Bündeln zu schnüren, die bisweilen an The Shins, Spoon oder Ben Folds erinnern. Und während Costas Sound selbstverständlich in erster Linie sonnendurchtränkt klingt und mit einem positiven Vibe besticht, räumt er auch seiner introspektiven Seite den nötigen Raum ein: „Trying to Lose My Mind“ berichtet z.B. von der grausamen Phase in seinem Leben, die Matt nach seiner OP durchleben musste, als eine Serie von Panikattacken scheinbar kein Ende nehmen wollte, bis ihm ein Freund offenbarte, dass Schmerzmittelentzug der eigentliche Auslöser dieser Krise war. Das Titelstück beschreibt laut seiner Aussage die Grundstimmung, die er während der Aufnahmen zum neuen Album hatte: „Ich habe den Eindruck, dass ich gegenüber den wahren Gedanken der Leute immer ein wenig misstrauisch bin. Wir alle haben eine Seite, die man vielleicht nie nach außen kehrt: Das ist das unvertraute Gesicht, das sind die `Unfamiliar Faces´.“

An Ideen für neue Songs hat es Matt Costa nie gemangelt; woran es ihm jedoch zwischenzeitlich mangelte, waren Aufnahmegeräte: Eine Freundin, die nicht gerade ein Fan seiner schier endlosen Tour-Aktivitäten war, hatte die störende Angewohnheit, sein Vierspurgerät immer dann im Garten zu vergraben, wenn er sich mal wieder in den Tourbus begeben hatte. Wenn Matt Costa eine Geschichte erzählt, dann würzt er sie stets mit demjenigen schwärmerischen Humor, der auch in seinem Songwriting deutlich wird – ein offensichtliches Beispiel wäre die Anekdote, in der Matt und seine Band während einer Tour durch den Mittleren Westen plötzlich durch eine Windhose fuhren, wobei sie das erst ein paar Stunden später bemerkten. Und dann ist da noch die Geschichte, wie eine Agave ihm kürzlich das Leben rettete, nachdem ein Balkongeländer nach einer zu ausgiebigen Serie von Tequila-Shots einfach nicht hoch genug war...

Wenn Matt Costa an die Zeit zurückdenkt, in der er „Unfamiliar Faces“ geschrieben hat, fallen ihm in erster Linie diejenigen Geschichten ein, die in seinen Besitztümern schlummerten, bis er sie in seinem grünlich gestrichenen Schlafzimmer in Sacramento erneut zum Leben erweckte: „Ich habe mir dieselben Gegenstände Tag für Tag angeschaut, und jeden Tag kamen neue Erinnerungen hoch, unterschiedliche Momente fielen mir ein. Und genau wie man einen Raum betreten und jeden Tag ein neues Gefühl haben kann, so denke ich, dass es sich auch bei Songs so verhält: Jedes Mal, wenn man einen Song hört, kann man etwas Neues darin entdecken.“

© Thirsta (ASCAP) 2007



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